Voerendaal und Mössingen – eine lokale Perspektive auf die Flüchtlingskrise

Auf den ersten Blick haben die niederländische Kleinstadt Voerendaal und die deutsche Kleinstadt Mössingen nicht viel gemeinsam. Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 hat sich in beiden Städten jedoch einiges verändert. Mittlerweile hat die Stadt Mössingen 326 Flüchtlinge aufgenommen und auch Voerendaal hat über längere Zeit Flüchtlinge hauptsächlich aus Syrien und Afghanistan in Notunterkünften untergebracht.

Auf dem Deutsch-Niederländischen Forum 2017 trafen nun der Integrationsbeauftragte der Stadt Mössingen Boris Kühn und der burgermeester von Voerendaal Wil Houben aufeinander und diskutierten gemeinsam mit deutschen und niederländischen Vertretern aus Politik und Medien.

„Goed gedaan, Duitsland!“

Will Houben erzählt stolz von dem ehrenamtlichen Engagement in seiner Stadt. Der Psychologe, der Arzt, die Sprachlehrer und die Kirche: Viele Einwohner engagierten sich freiwillig für Flüchtlinge, die von einem auf den anderen Tag in Notunterkünften untergebracht werden mussten. Trotz des großen Engagements seiner eigenen Stadt ist Will Houben sich sicher, dass die Niederlande noch weitaus mehr Flüchtlinge aufnehmen könnten. Der Bürgermeister bewundert vor allem die Bereitschaft Deutschlands, deutlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen als seine Nachbarn. Nichtsdestotrotz muss es laut Houben zukünftig für Flüchtlinge auch möglich sein, legal nach Europa zu migrieren, um dem Sterben im Mittelmeer endgültig ein Ende zu bereiten.

Ohne Ehrenamtliche läuft nichts

Auch in der kleinen Stadt Mössingen wäre ohne die vielen Ehrenamtlichen eine Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft undenkbar. Insbesondere bei der Arbeitssuche sind Geflüchtete auf sprachliche und praktische Hilfe angewiesen, die von den Jobcentern oft nicht geleistet werden kann. Der Integrationsbeauftragte der Stadt Mössingen, Boris Kühn, hebt die große Bedeutung einer dezentralen Unterbringung von Geflüchteten hervor. Als jedoch Anfang 2016 326 Flüchtlinge in Mössingen ankamen, mussten schnelle Lösungen gefunden werden und die Mehrzahl der Angekommenen landete in ehemaligen Verwaltungsgebäuden. Eine Situation, die man auch in den Niederlanden kennt. Erfahrungsgemäß führt die hohe Ballung von Menschen mit sehr unterschiedlicher Herkunft und Religion zu Konflikten innerhalb der Unterbringung. Von allen Seiten wurde so begrüßt, mehr auf wohngemeinschaftliche Projekte zwischen Deutschen und Geflüchteten zu setzen, die außerdem eine schnellere Integration erleichtern würde.

Warum die lokale Perspektive entscheidend ist

Die Erfahrungen aus den Niederlanden und Deutschland zeigen, welche große Bedeutung nicht zuletzt die Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen haben. Auf lokaler Ebene wird nicht nur entschieden, wo die Geflüchteten unterkommen; es sind vor allem die lokalen Akteure und Ehrenamtliche die ganz entscheidend für die Integration der Flüchtlinge sind. Sowohl in Mössingen als auch in Voerendaal sind es die Initiativen von örtlichen Vereinen, die es den Flüchtlingen ermöglichen, in eine Gemeinschaft einzutreten und schnellstmöglich eine neue Sprache zu erlernen.

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