Warum „Figlia mia“ einer der besten Filme der Berlinale 2018 ist

25. Februar 2018

Im neuen Film der italienischen Regisseurin Laura Bispuri brillieren drei Schauspielerinnen. Er sollte unbedingt mit einem Preis ausgezeichnet werden.

Von Andrea D’Addio

Laura Bispuri ist die Berlinale ans Herz gewachsen. Im Jahr 2015 präsentierte sie hier ihr Regiedebüt Sworn Virgin, drei Jahre später ist sie mit Figlia mia (Meine Tochter) wieder mit dabei. Es ist der einzige italienische Wettbewerbsbeitrag, und er ragt zweifellos aus dem gesamten Festivalangebot heraus.

ZWEI MÜTTER, EIN KIND

Figlia mia erzählt die Geschichte der zehnjährigen Vittoria – und davon, wie ihre Adoptivmutter Tina und die leibliche Mutter Angelica um ihre Zuneigung kämpfen. Zwar könnten die beiden Frauen unterschiedlicher nicht sein, es eint sie aber die gemeinsame Liebe zu ihrer Tochter. Ort der Handlung ist ein kleines Dorf auf Sardinien, wo (fast) jeder mit jedem bekannt ist. Vor Jahren haben die beiden Frauen die Adoption hier im Geheimen abgewickelt, niemand weiß davon, abgesehen vom Mann der Adoptivmutter. Eine Annäherung zwischen der Tochter und der leiblichen Mutter findet erst statt, als diese ankündigt, Sardinien zu verlassen. Sie will ihr Glück anderswo finden.

MEHR ALS FEMINISTISCH

Drei Schauspielerinnen, eine Regisseurin. In Zeiten von #metoo könnte man leicht schlussfolgern, Figlia mia sei ein perfektes Beispiel für feministisches Kino. Doch der Film ist mehr als das, denn er erzählt eine universelle Geschichte, die über Orte, Epochen und Genre-Etiketten hinausgeht. Es ist ein Film über Liebe in ihrer Reinform, über eine Liebe, die so groß ist, dass sie für mehrere Personen ausreicht, ohne dadurch an Intensität zu verlieren.

Bispuri braucht nur eine Szene, um zu beweisen, dass die menschliche Natur ihrer eigenen Logik folgt, die keiner zusätzlichen Worte bedarf. Es ist der Moment, in dem Angelica neben einem am Straßenrand parkenden Auto vor ihrer Tochter tanzt und singt. Zunächst ist Vittoria schüchtern und still wie immer, aber dann beginnt sie, langsam mitzusingen und mitzumachen. Ein ebenso schöner wie bitterer Augenblick, beinhaltet er doch zugleich den Schmerz der Adoptivmutter, die es nicht verdient hat, ausgeschlossen zu werden.

Wie kann eine solche Situation gelöst werden, in der alle Recht zu haben scheinen, aber niemand bis zur letzten Konsequenz Recht haben kann? Eine Frage, die zunehmend auch das Publikum beschäftigt. Irgendwie herrscht im Kinosaal die Hoffnung vor, das Schicksal würde den dreien die Entscheidung abnehmen. Aber das geschieht nicht. Am Ende nimmt eine Person, von der man es am wenigsten erwartet, die Situation in die Hand, und als das passiert, scheint plötzlich alles folgerichtig..

Die Fähigkeit, eine Geschichte so schlüssig und in sich kohärent zu erzählen, ist nicht selbstverständlich. Laura Bispuri beweist damit, dass sie sowohl schreiben als auch Regie führen kann: Das Drehbuch stammt von ihr und von Francesca Manieri. Gelungen ist ebenfalls die Auswahl der Schauspielerinnen: Alba Rohrwacher, Valeria Golino und Sara Casu, die das Mädchen verkörpert. Sie liefern eine hervorragende Leistung. Mindestens eine, vielleicht auch sie alle zusammen, werden wir – so bleibt zu hoffen – am Tag der Preisverleihung der diesjährigen Filmfestspiele von Berlin wiedersehen.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert.

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