Game Girls – Ein schmerzhafter Blick auf das Leben in Skid Row

25. Februar 2018

Der Dokumentarfilm zeigt, was es heißt, am Rand der Gesellschaft zu leben: in Skid Row, dem Obdachlosenviertel von Los Angeles.

Von Grace Barber-Plentie

Im Englischen gibt es die Phrase „Skid Row“ und ich habe immer geglaubt, dass es genau das ist: Einfach nur eine Phrase, die bedeutet, dass man auf der Straße gelandet ist. Aber nachdem ich Alina Skrzeszewskas Dokumentation Game Girls gesehen habe, weiß ich um die Bedeutung. Es ist nicht nur eine Gegend in Los Angeles, die mit Drogenhandel und Prostitution assoziiert wird, sondern für viele Bewohner der Skid Row ist es auch ein Gemütszustand.

TEUFELSKREIS

Für alle, die nach einem positiven Film Ausschau halten, in dem es darum geht, allen Widrigkeiten zum Trotz aus der Armut zu entkommen – bei „Game Girls“ werdet ihr nicht fündig werden. Der Film fühlt sich an wie ein Teufelskreis: Er beginnt damit, dass Teri darauf wartet, dass ihre Freundin Tiahna aus dem Gefängnis entlassen wird, und endet damit, wie Tiahna darauf wartet, dass Teri gegen Kaution aus dem Gefängnis kommt. Beide machen sich keine Gedanken über einen Aufenthalt im Gefängnis, so ist eben das Leben in Skid Row.

Trotz aller Düsterheit bittet uns Game Girls nie um Mitleid für die Protagonistinnen. Der Film zeigt uns einfach das gemeinsame Leben der beiden. Es gibt Momente des Lachens und der Schönheit, aber der Film bietet auch Einblick in die harsche Realität im Leben schwarzer Frauen.

Der Film besticht auch dadurch, dass er die Beziehung von Teri und Tiahna normalisiert. Die Tatsache, dass die beiden ein lesbisches Paar sind, wird nie von ihrer Community infrage gestellt. Es wird auch nicht thematisiert, wenn die beiden sich an offizielle Stellen wenden, um Sozialhilfe oder Unterstützung bei der Wohnungssuche zu bekommen.

Während die Sexualität der beiden Frauen normalisiert wird, kann man das nicht über ihre Beziehung sagen. Es gibt ein ständiges hin und her zwischen den beiden. Teri wirft Tiahna vor, sie benehme sich wie ein Kind, und Tiahna thematisiert umgekehrt die Aggression von Teri. Diese Streitereien kulminieren in einer Szene, bei der es schwerfällt hinzuschauen:

Alina Skrzeszewska lässt die Kamera laufen, wenn die beiden sich schlagen. Hier übertritt die Regisseurin, die sonst sehr diskret agiert, eine Grenze, indem sie erlaubt, dass sich ihre beiden Protagonistinnen gegenseitig gefährden – dem guten Filmmaterial zuliebe.

EINE UNGESUNDE BEZIEHUNG

Abseits dieser Grenzüberschreitung bietet uns Game Girls in der Darstellung von Teris und Tiahnas Alltag eine fesselnde und zum Nachdenken anregende Dokumentation. Es ist ein Film, der hängenbleibt und man fragt sich, was aus diesen Frauen, die fast wie fiktive Charaktere wirken, wohl werden wird.

Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert.

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