Markenzeichen: handgemacht

Einblicke in „German Design“ und deutsche Handwerkskunst bekamen zehn internationale Gäste bei einer Reise nach Dresden, Meißen und Berlin.

Bei der Firma Welter mitten in Berlin glitzern die Wände. Im bescheidenen Büro der Manufaktur für „Wandunikate“ im Hinterhof eines alten Fabrikgeländes schimmern Glas und Gold. Welter fertigt alles von Hand: individuelle Tapeten und spektakulären Wandschmuck für Luxushotels oder edle Einkaufszentren weltweit, für die Bühne der Oscar-Verleihung etwa, für Modehersteller wie Chanel oder wohlhabende Privatkunden in der arabischen Welt. Die zehn internationalen Gäste des Besucherprogramms der Bundesrepublik Deutschland berühren staunend die Wände und lauschen fast ungläubig den Ausführungen des Marketingleiters. Die Berliner Manufaktur leistet ihre großen Aufträge mit nur zehn Handwerkern – Stuckateuren, Malern, Farb- und Textildesignern sowie Bildhauern.

 

„Schöne Kunst ist auch Arbeit, mit der man Geld verdienen kann und sollte.“
José Ricardo Castellon Osegueda, Designer aus El Salvador und Teilnehmer des Besucherprogramms

In der angrenzenden Werkstatt stehen Farbeimer und Tapetenrollen. Auf langen Tischen liegen Muster und Messer, eine Mitarbeiterin schneidet kleine Paneelen in Form, viele Schichten bunter Flecken am Boden zeugen von Jahren intensiver Produktion. „Hier sieht man, dass wirklich Hand angelegt wird“, sagt José Ricardo Castellon Osegueda. Der Designer aus El Salvador, der für seine Regierung das Kultursekretariat berät, ist von der Arbeitsatmosphäre bei Welter begeistert. „Schöne Kunst ist nicht alles – das versuchen wir unseren jungen Leuten klar zu machen. Es ist auch tägliche Arbeit, mit der man Geld verdienen kann und sollte.“

DWH

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Verbindung von Tradition und Moderne

„German Design – deutsche Marken in Handwerk und Mittelstand“ heißt die Themenreise im Rahmen des Besucherprogramms der Bundesrepublik Deutschland, die Journalisten und Marketingexperten aus aller Welt im September 2017 einen Einblick in besondere Werkstätten in Berlin, Dresden und Meißen ermöglicht. Der Rundgang durch die Porzellanmanufaktur Meissen mit anschließendem Essen von traditionellem Tischgedeck beeindruckt die Gäste besonders. „Hier wird eine wunderbare Verbindung zwischen Tradition und Moderne sichtbar“, sagt Jana Ferrari aus der Slowakei. Als stellvertretende Direktorin für Marketing und PR der Zentrale für das Volkskunstwerk will sie genau diese Verbindung in ihrem Heimatland stärken. „Wir wollen, dass unser traditionelles Handwerk auf dem modernen Markt bestehen kann.“

Handgefertigte Produkte lägen in ihrer Heimat eindeutig im Trend, aber noch fehle es an der Fähigkeit kleiner Betriebe, ökonomisch zu überleben, sagt Jana Ferrari. Mit großem Interesse verfolgt sie den Vortrag von Dirk Palige aus der Geschäftsleitung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. „Die Ausbildungswege und das Qualitätsmanagement, das über die Handwerkskammern in Deutschland gewährleistet wird, sind für mich besonders eindrucksvoll“, so Ferrari. „Zu oft läuft in der Slowakei die Weitergabe von Fertigkeiten noch vom Vater zum Sohn. Die Ausbildung ist zu wenig professionalisiert – viel Handwerkskunst droht dabei auszusterben.“

Auffällig sei die große Wertschätzung des Handwerks in Deutschland, meint die Lettin Liva Sturmane. Sie koordiniert das Forum „Best Exporting Brands in Latvia“ – ein Format zur Stärkung auch der lokalen Handwerksunternehmen und kleineren Betriebe – und will in Lettland unbedingt anregen, stärker mit Deutschland zusammenzuarbeiten. Auch die Journalistin Nataliya Shirinskikh aus Kasachstan fragt nach mehr internationaler Zusammenarbeit im Bereich von Fortbildungen und Trainingsprogrammen für handwerkliche Betriebe. Denn die Chefredakteurin der Nachrichtenagentur „Kazakhstan today“ sieht ähnliche Herausforderungen für das Handwerk in ihrem Land wie Dirk Palige: demografischer Wandel, Steuerfragen auf dem internationalen Markt oder die zunehmende Digitalisierung.

Fapack

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Lokale Herstellung – globaler Absatz

Den Herausforderungen stünden weltweit die Chancen für lokal hergestellte Produkte gegenüber, betont Jana Ferrari. „Die Menschen suchen in der globalisierten Welt das, was sie diese Dinge gegenüber Massenprodukten auszeichnet: Handwerkskunst, Tradition, nachhaltige ökologische Herstellung, individuelles Design.“ Dieser Entwicklung müsse man wie in Deutschland den Rücken stärken.

In den Werkstätten von Welter haben die Gäste noch viele Fachfragen: nach dem verwendeten Leim, nach den Reinigungsmöglichkeiten der Tapeten, nach der Installation, den Produktionszeiten, nach Konkurrenten und Kommunikation oder nach den Werbestrategien. Und sie staunen darüber, dass alle verwendeten Materialien in Deutschland hergestellt werden. Die kleine Firma mit großer Wirkung räumt für den Zeitungsredakteur Shawkat Hossain Masum aus Bangladesch endgültig mit einem Klischee auf. „Wenn es um Deutschlands Wirtschaft geht, denkt man an große Maschinen, Fabriken und Schwerindustrie. Die erfolgreiche Handwerkskunst hatte ich bisher kaum im Blick.“

Mehr zum Besucherprogramm: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/ZuGastimAA/Besucherprogramm-node.html

© www.deutschland.de

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