Gedanken über die Flüchtlingskrise

1. Dezember 2015

Ankunft von syrischen Flüchtlingen im norddeutschen Diepholz im Oktober 2015 (Foto: dpa, nph / Kokenge)

Seit langer Zeit tue ich mich schwer damit, mich an meinen Computer zu setzen und einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. Obwohl ich schon eine lange Liste von Themen habe, bin ich in der letzten Zeit von der Flüchtlingskrise im Nahen Osten und Europa so berührt, dass die Themen auf meiner Liste mir nicht mehr interessant scheinen.

Alper Tokel

Alper Tokel

Der Bürgerkrieg in Syrien hat Millionen Menschen zur Migration Richtung Europa gezwungen. Der schreckliche Terroranschlag von Paris hat gezeigt, wie groß der Fanatismus ist, vor dem so viele fliehen müssen. Mein Heimatland Türkei hat etwa 2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Aber weil sie für sich und ihre Kinder dort keine Zukunftsperspektive sehen, machen sich viele Flüchtlinge über den Balkan und über das Mittelmeer auf den langen und gefährlichen Weg nach Deutschland oder nach Skandinavien. Viele versuchen, das Mittelmeer mit unsicheren Booten zu überwinden. Die erschreckende Geschichte des kleinen Kindes Aylan, der mit zahllosen anderen Kriegsopfern im Mittelmeer ums Leben gekommen ist, wird in meinen Erinnerungen bleiben. Aber auch der Landweg birgt große Gefahren, etwa wegen der Gier der Schlepper wie in dem Fall in Österreich, wo 71 Menschen ums Leben gekommen sind. Es ist nach diesen Ereignissen unmöglich weiterzuleben, als wäre nichts passiert hat. Es tut mir alles sehr leid.

Vielen Flüchtlingen gelingt es andererseits, Deutschland zu erreichen. Die Bundesregierung hat schon angekündigt, dass 2015 800.000 Flüchtlinge erwartet werden. Laut vielen Politikern stehen sowohl Deutschland als auch ganz Europa vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Hiermit entstehen viele Fragen, was die Unterbringung der Flüchtlinge, das Asylverfahren, und die Aufteilung der Flüchtlinge zwischen den EU-Staaten betrifft. Dazu kommen noch fremdenfeindliche Angriffe auf Flüchtlinge oder fremdenfeindliche Äußerungen, was mich umso mehr stört.

Ich bin andererseits von der Hilfsbereitschaft der vielen freiwilligen deutschen Helfer beeindruckt, wie sie zum Beispiel in den Bahnhöfen zu sehen ist. Diese Bilder und Äußerungen mancher Politiker sind für mich eine Hoffnungsquelle Mitten in der Verzweiflung.

Ich möchte hier nicht über die Gründe dieser Krise schreiben oder darüber, was Europa machen muss. Es hätte wahrscheinlich viel gemacht werden können, um diese Probleme zu verhindern und um den Migranten bessere Bedingungen vorzubereiten. Was ich an dieser Stelle äußern möchte, ist mein Mitgefühl und Empathie für die Menschen, die vor Krieg, Terror, Not und Elend fliehen.

 

„Führungskräfte für Syrien“: Stipendienprogramm für Flüchtlinge

Aachen

About

Nach dem Bachelorstudium an der METU in der Türkei habe ich von 2011 bis 2014 das Masterstudium in Nachrichtentechnik an der RWTH Aachen abgeschlossen. Damals war ich DAAD-Stipendiat. Nun arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Theoretische Informationstechnik an der RWTH Aachen. Ich beschäftige mich mit der Integration der Kommunikationstechnologien in intelligente Energienetze.

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