Sieger und Verlierer dieser Bundesligasaison

Der letzte Spieltag der Saison 2010/2011 ist gespielt. Die 18 Bundesligavereine teilen sich in Gewinner und Verlierer. Meine persönliche Bilanz:

Gewinner:
Natürlich Borussia Dortmund. Der verdiente, überlegene Meister. Mit vielen jungen Spielern, die hoffentlich, von Nuri Sahin abgesehen, der nach Madrid geht, der Borussia auch in der nächsten Spielzeit erhalten bleiben.
Leverkusen als Zweiter ist ebenfalls ein Gewinner. Wer Zweiter in der Bundesliga wird und sich vor den Bayern für die Champions League qualifiziert, gehört in diese Kategorie.
Dann nätürlich die „kleinen“ Vereine Hannover 96, Mainz 05, Nürnberg, Freiburg, die die Liga gewaltig aufmischten und überraschend weit oben stehen. Wollen mal sehen, wie sich Hannover und Mainz in Europa schlagen.
Gewinner sind auch die Teams, die von vornhinein nur den Klassenerhalt ausgegeben hatten und diesen realisierten. Kaiserslautern und der 1. FC Köln schafften dies, wobei man im Falle Kaiserslauterns noch ergänzen muss, dass sie die gesamte Saison über in kritischen Situationen die Nerven behielten und nicht dem vermeintlichen Allheilmittel Trainerwechsel verfielen. Lohn: ein toller siebter Rang.
Ein Sieger ist auch Borussia Mönchengladbach, die schon längst abgestiegen schien. Im Winter abschlagen auf Rang 18, setzten „die Fohlen“ eine Aufholjagd in Gang, die die Chance eröffnet, über die Relegation am nächsten Wochenende die Klasse zu erhalten. Natürlich bleibt in Gladbach nur das Lächeln, wenn der VfL Bochum in zwei Entscheidungsspielen unten gehalten wird.
Auch der Blick auf einzelne Fußballer offenbart Gewinner. Mario Gomez zum Beispiel, der Torschützenkönig der Bundesliga mit 28 Treffern wurde. Vor einem Jahr hätten ihn die Bayern als Chancentod fast noch vom Hof gejagt. Oder Trainer Thomas Tuchel, der in Mainz ein nationales Spitzenteam formte, das in dieser Saison nie schlechter als Rang 5 platziert war. Oder Schalkes Weltklassemann Manuel Neuer, der unter Beweis stellte, dass er der beste deutsche Torwart und ein würdiger Nachfolger von Oliver Kahn im Nationaltor ist. Oder Marco Reus oder Mirko Slomka oder Ilkay Gündogan oder oder oder.

Die Welt besteht aber nicht nur aus Gewinnern. Wo es Sieger gibt, da gibt es auch Verlierer. Gerade in der Bundesliga.
Bayern München wurde nicht Meister und jede Saison ohne Meistertitel ist dort eine verlorene. Jedoch, die Fans anderer Verein werden das differenzierter sehen und eine Spielzeit ohne Bayern-Titel als Gewinn bewerten.
Echte Verlierer sind die Absteiger FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt. Natürlich ist die Eintracht die größere Enttäuschung. Abgestürzt nach guter Hinrunde, müssen sich die Hessen in Liga 2 neu sammeln. Aber auch von St. Pauli hätte ich mehr erwartet. Die Hinrunde lief gut. Doch Fanproteste gegen Kommerzialisierung und die Diskussionen um den Wechsel von Trainer Stanislawski trieben einen Tropfen der Missgunst ins hamburgische Freudenhaus-Gebilde. Der Zusammenhalt im Verein bekam Risse und ihn hätte es bedürft, um Grandioses zu leisten. St. Pauli steigt hoch erhobenen Hauptes ab. Doch die Paar Prozent mehr zum Klassenerhalt wären möglich gewesen. Sie wurden nicht ausgeschöpft.
Verlierer sind ansonsten die großen Vereine, die nach oben strebten und nach unten fielen. Mancher blieb einfach im Mittelmaß stecken, wie der HSV. Mancher kämpfte lange gegen den Abstieg: Wolfsburg, Bremen, Stuttgart, Schalke. Für sie ging die Saison glimpflich aus. Es hätte schlimmer kommen können.
Schalke ist deshalb für mich ein Verlierer, weil der Kader auf Bundesligaerfolg (Meisterschaft?) zusammengestellt wurde und dort enttäuschte. Allerdings können die Schalker die Spielzeit noch mit dem Pokalsieg retten und überzeugten in der Champions League. Mit Schalke verlor auch Zampano Magath, der Fans und Spieler gefühlsmäßig spaltete und nach dem Blitzwechsel zu Wolfsburg fast verzweifelte.

Schwer gezeichnet geht Christoph Daum aus der Saison, der sein Magier-Image mit dem Eintracht-Abstieg verloren hat und nicht mehr tragbar ist. Auf das Abstellgleis geraten ist Michael Ballack, der in Leverkusen voll angreifen wollte, aber von Verletzungen zurückgeworfen nun die Ausmusterung durch Bundestrainer Joachim Löw erwartet. Und schließlich Wolfsburgs Diva Diego, der beleidigt die existenziell wichtige Reise zur entscheidenden Partie seiner Mannschaft verweigerte, weil er nicht von Anfang an spielen durfte. So ein Typ ist keinem zahlenden Fan mehr zuzumuten.

Es war eine spannende, nie langweilige 48. Spielzeit der Fußball-Bundesliga. Am 5. August geht es von vorne los. Mit neuen Gewinnern und Verlierern.

Die Ergebnisse des 34. Spieltags:
Bayern München – VfB Stuttgart 2:1
1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg 1:3
Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 3:1
Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 3:1
Hamburger SV – Borussia M’gladbach 1:1
1. FSV Mainz 05 – FC St. Pauli 2:1
1. FC Köln – FC Schalke 04 2:1
SC Freiburg – Bayer Leverkusen 0:1
1. FC Kaiserslautern – Werder Bremen 3:2

Tabelle:
1 Borussia Dortmund 75 P
2 Bayer Leverkusen 68 P
3 Bayern München 65 P
4 Hannover 96 60 P
5 1. FSV Mainz 05 58 P
6 1. FC Nürnberg 47 P
7 1. FC Kaiserslautern 46 P
8 Hamburger SV 45 P
9 SC Freiburg 44 P
10 1. FC Köln 44 P
11 1899 Hoffenheim 43 P
12 VfB Stuttgart 42 P
13 Werder Bremen 41 P
14 FC Schalke 04 40 P
15 VfL Wolfsburg 38 P
16 Borussia Mönchengladbach 36 P
17 Eintracht Frankfurt 34 P
18 FC St. Pauli 29 P