Vom Bolzplatz nach Katar

Das beherrschende Thema in der vergangenen Woche war die Kür der WM-Austragungsländer 2018 und 2022. Auf Russland (mit Moskau, St. Petersburg und Lew Jaschin wenigstens auf der Fußballlandkarte vertreten) und Katar (leerer heißer Fleck auf jener Karte) fiel die Wahl. Über die Sinnhaftigkeit dieser Entscheidung wird trefflich gestritten. „KATARstrophe“ ist nur eine von vielen Schmähungen. Dass zwei Länder, die den größten Profit für die Fifa garantieren, das Rennen machten, lässt tief blicken. Für Fifa-Präsident Blatter lief es jedenfalls „wie geschmiert“.


Ein gänzlich anderer Aspekt ist mir allerdings zu diesen zeitlich noch weit entfernten Weltmeisterschaften eingefallen. Ich habe mich gefragt, wer denn dann eigentlich spielen wird? Wer wird 2022 der große deutsche WM-Star?

Wahrscheinlich nicht Michael Ballack. Der ist dann 45 Jahre alt. Obwohl, wenn er bis dahin immer noch ohne internationalen Titel ist… Auch dass Bastian Schweinsteiger 2022 in Katar den WM-Pokal in die Höhe reckt, kann ich mir schlecht vorstellen. Mit 37? Unwahrscheinlich. Denkbarer ist, dass der deutsche WM-Star gerade jetzt im Alter von 10 Jahren irgendwo in Deutschland noch über die Bolzplatzfelder des deutschen Outback dribbelt. Die Chance für viele überehrgeizige, fußballfanatische Väter, die von ihrem Spross als neuem Maradona träumen.

Möglich ist aber auch ein anderes Szenario: Dass der deutsche WM-Star aus dem Kreis eben jener Spieler kommen könnte, die im November-Länderspiel gegen Schweden ihr Debüt im deutschen Nationaltrikot gaben. Die Mainzer Holtby und Schürrle zum Beispiel. Oder die Dortmunder Schmelzer, Hummels, Großkreutz und Götze. Jeder dieser Spieler ist heute nicht älter als 22. Jeder könnte in Moskau oder Doha auf dem Zenit seines Schaffens sein.

Für Holtby, Schürrle und Mainz 05 lief es am 15. Spieltag der Fußball-Bundesliga allerdings nicht WM-reif. Die Mainzer unterlagen im Rhein-Main-Derby gegen Frankfurt mit 1:2. Schürrle schoss zwar ein Tor, doch Holtby wurde erst in den letzten Minuten eingewechselt. Am Ende verlor Mainz durch einen unberechtigten Handelfmeter.

WM-reif sind dagegen die Dortmunder drauf. Der BVB ist bereits Herbstmeister. Nur ein inoffizieller Titel, aber immerhin. In Nürnberg gewannen die Dortmunder 2:0. Nationalelf-Hoffnung Mats Hummels schoss ein Tor. Bei zehn Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten ist die Borussia der absolute Meisterschaftsfavorit.

Kommt die deutsche WM-Hoffnung also aus Mainz oder Dortmund? Zweifel bleiben. Denn deutsche Sturmtalente sind Mangelware. Nur 3 von 19 Toren wurden an diesem Bundesliga-Spieltag von deutschen Stürmern erzielt: Schürrle, Helmes (Leverkusen) und Hanke (Hannover) trafen. Doch, Moment! Da fällt mir ein, habe ich nicht auch einen Sohn, der gerade hinterm Haus Torschüsse übt? Junge, warte, ich komme zu Dir raus! Jetzt wird trainiert! Du wirst der nächste Pelé!

Die Ergebnisse des 15. Spieltags im Überblick:

FC St. Pauli – 1. FC Kaiserslautern 1:0
VfB Stuttgart – 1899 Hoffenheim 1:1
VfL Wolfsburg – Werder Bremen 0:0
Eintracht Frankfurt – 1. FSV Mainz 05 2:1
Borussia Mönchengladbach – Hannover 96 1:2
SC Freiburg – Hamburger SV 1:0
FC Schalke 04 – Bayern München 2:0
Bayer Leverkusen – 1. FC Köln 3:2
1. FC Nürnberg – Borussia Dortmund 0:2

Tabelle:

1 Borussia Dortmund 40 P
2 1. FSV Mainz 05 30 P
3 Bayer Leverkusen 29 P
4 Hannover 96 28 P
5 SC Freiburg 24 P
6 1899 Hoffenheim 23 P
7 Bayern München 23 P
8 Eintracht Frankfurt 23 P
9 Hamburger SV 21 P
10 Werder Bremen 19 P
11 1. FC Nürnberg 18 P
12 1. FC Kaiserslautern 17 P
13 VfL Wolfsburg 17 P
14 FC St. Pauli 17 P
15 FC Schalke 04 16 P
16 VfB Stuttgart 12 P
17 1. FC Köln 12 P
18 Borussia Mönchengladbach 10 P

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