Was Neuner und Riesch nicht kennen: Abstiegskampf

22. Februar 2010

“Haach de Klicker in’s Goal enei!” – der Fußball-Bundesliga-Blog: 23. Spieltag

“Haach de Klicker in’s Goal enei!”, hat mein Trainer immer zu mir gesagt. So einfach ist Fußball. “Hau den Ball ins Tor hinein!” Oder hat Ihrer statt dessen gesagt: “Heute müssen wir Gras fressen, sonst steigen wir ab.“? Wahrscheinlich schon, denn fast jeder Fußballer hört in seiner Karriere irgendwann mal diesen Satz des unbedingten „Gewinnenmüssens“. Es sei denn vielleicht, er kickt bei einem Team, das immer Meister wird. Aber das tun die wenigsten in all ihren Fußballerjahren. Und so ist die Abstiegsgefahr, die Abstiegsangst, der Abstiegskrimi ein permanenter, spannender Begleiter im Fußball und besonders in der Bundesliga, der Fans genauso fasziniert wie der Meisterschaftskampf.

Ganz anders in anderen Sportarten. Deutschland feiert derzeit große Erfolge bei Olympia. Magdalena Neuner triumphiert im Biathlon, Maria Riesch rast den Berg hinunter zu Gold. Doch schon die Silbermedaille gebührt oft nur dem ersten Verlierer. Was sich auf den hinteren Plätzen tut interessiert niemanden (außer vielleicht der exotische afrikanische Langläufer, der drei Stunden nach dem Sieger ins Ziel taumelt). Aljona Savchenko und Robin Szolkowy holen Bronze im Paar-Eiskunstlauf? Loser! Verlierer will man hier nicht, Absteiger kennt man hier nicht.

Genauso bei den amerikanischen Sportarten American Football, Basketball, Baseball, Eishockey. Immer interessieren nur die Playoffs, nur die Finals, nur die Sieger. Auch die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat diesen Modus übernommen und spielt keinen Absteiger mehr aus. Wer aus der zweiten Liga aufsteigen will, muss darauf hoffen, dass ein Team der ersten Liga freiwillig zurückzieht oder pleite ist. Und obwohl ich mich für all diese Sportarten durchaus interessiere und ihre Regeln weitestgehend verstanden habe (wer kann das bei einer Two-Point-Conversion schon behaupten?), muss ich doch sagen: Ich brauche den Abstiegskampf! Ich will wissen, wer der Bester der Verlierer ist! Ich will jubelnde Fans sehen, sich glücklich in den Armen liegend, weil ihr Team nur aufgrund der um ein Tor besseren Tordifferenz die Klasse gehalten hat. Und das i-Tüpfelchen ist die Relegation, die der Drittletzte der 1. Liga gegen den Dritten der 2. Liga spielen muss. Existenzkampf pur!


Am Wochenende ging es nun weiter im Krimi gegen den Abstieg. Dabei traf mit dem SC Freiburg das schwächste Heimteam der Liga auf die bis dato schwächste Auswärtsmannschaft Hertha BSC Berlin. Die Freiburger präsentierten sich dermaßen desolat, dass Hertha seine Auswärtsbilanz kräftig aufpolieren konnte und mit 3:0 deutlich gewann. Damit haben die Berliner nur noch zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und schöpfen kräftig Hoffnung. Die Freiburger hingegen werden mit sich hadern, nicht in der Winterpause einen treffsicheren Stürmer verpflichtet zu haben. Denn gerade einmal fünf Tore in elf Heimspielen sind dermaßen erbärmlich, dass daraus eigentlich nur der Abstieg resultieren kann.

Ein Duell der besonderen Art lieferten sich der 1. FC Nürnberg und Bayern München. Es verband nicht nur den Abstiegs- mit dem Meisterschaftskampf, es war auch das Spiel der sich tapfer wehrenden Franken gegen die bayerische Übermacht. Mit einem Punktgewinn der Nürnberger hatte kaum einer gerechnet, doch die „Cluberer“ stoppten die Siegesserie der Münchner von neun Siegen in Folge. Hoffnung also im Frankenland, den achten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte noch zu verhindern.

Wöchentlich erwartet wird, dass Bayern München Bayer Leverkusen an der Tabellenspitze ablösen wird. Doch die Leverkusener lassen sich nicht verdrängen. Mit einem 2:2 in Bremen bleibt Leverkusen auf Rang 1. Doch der Bremer Treffer in der Nachspielzeit durch Mertesacker raubte Leverkusen den sicher geglaubte Sieg und so muss Bayer eigentlich über die Punkteteilung enttäuscht sein. Eine Entwicklung, die man vor der Saison auch nicht erwartet hätte.

Die Rückkehr des Schalker Trainers Felix Magaths nach Wolfsburg an die Stätte seines großen Triumphs endete mit einer Enttäuschung. 1:2 gegen die „Wölfe“, bei denen Grafite seine Treffsicherheit wiedergefunden hat. Schalkes Abstand zur Spitze vergrößert sich auf vier Punkte.

Mann des 23. Spieltags war der Stuttgarter Cacau. Er schoss vier Tore beim 5:1 des VfB in Köln. Rechtzeitig zur WM ein deutscher Nationalspieler, der weiß, wo das Tor steht und „de Klicker in’s Goal enei haacht“.

(von Stefan Reichart)

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Die Ergebnisse des 23. Spieltags im Überblick:

1899 Hoffenheim   –  Borussia Mönchengladbach  2:2
1. FC Nürnberg   –  Bayern München  1:1 
1. FC Köln   –  VfB Stuttgart  1:5 
Borussia Dortmund   –  Hannover 96  4:1 
Hamburger SV   –  Eintracht Frankfurt  0:0  
1. FSV Mainz 05   –  VfL Bochum  0:0
SC Freiburg   –  Hertha BSC Berlin 0:3 
VfL Wolfsburg   –  FC Schalke 04  2:1  
Werder Bremen   –  Bayer Leverkusen  2:2 

Tabelle

1   Bayer Leverkusen    49 P
2   Bayern München    49 P
3   FC Schalke 04      45 P
4   Hamburger SV      40 P
5   Borussia Dortmund     39 P
6   Werder Bremen  35 P
7   Eintracht Frankfurt     35 P
8   1. FSV Mainz 05  32 P
9   VfB Stuttgart      31 P
10   1899 Hoffenheim      29 P
11   Borussia Mönchengladbach    29 P
12   VfL Wolfsburg   28 P
13   VfL Bochum     26 P
14   1. FC Köln     25 P
15   SC Freiburg  19 P
16   Hannover 96      17 P
17   1. FC Nürnberg   17 P
18   Hertha BSC Berlin    15 P