Das alte Spanien vor dem Spiegel

16. Februar 2017

Der erfahrene Regisseur Fernando Trueba porträtiert in La Reina de España (Die Königin von Spanien) ein Land, das nach dem Ende der internationalen Blockade gegen die Diktatur beginnt, sich der Welt zu öffnen. Aber der frische Wind der Moderne ist nur eine hübsche Dekoration, denn die Wunden des Bürgerkriegs bleiben schmerzlich präsent.

La Reina de España ist in Wahrheit Macarena Vidal, eine berühmte Hollywood-Schauspielerin – dargestellt von Penélope Cruz – die nach Spanien zurückkehrt, um die Geschichte der Katholischen Könige unter der Leitung und Regie einiger US-amerikanischer Produzenten zu verfilmen. Als er davon hört, entschließt sich der Filmschaffende Blas Fontiveros, dargestellt von Antonio Resines, der nicht mehr in Spanien war, seit er es 18 Jahre zuvor verlassen hatte, ebenfalls, zurückzukehren und sich mit einigen seiner alten Freunde aus der Welt des Films zu treffen. Die Ankunft des Emigranten löst eine Serie von Problemen aus, sowohl mit den altmodischen Sicherheitsstrukturen des Franco-Regimes als auch mit seinem Umfeld, das sehr um seine Sicherheit besorgt ist.

Es ist Trueba sicher nicht leicht gefallen, ausgangs derart voneinander unabhängige Geschichten letztendlich miteinander zu verflechten. Die Wahrheit ist, dass die Handlung immer wieder ziemlich vorhersehbar ist, zu viel einfach gestrickten Humor einsetzt und die klassischen Klischees nutzt, ohne etwas Neues beizusteuern. All dies wird vermischt mit einer Pseudo-Hommage an das spanische Kino, was, alles in allem, schwer verdaulich ist.

Letztendlich bleibt der Film auf halbem Weg stecken: sein vorgebliches politisches und soziales Engagement bleibt verschwommen, und das Ziel, Kino im Kino zu schaffen, kommt flügellahm daher. Nur die Liebesgeschichten zwischen der strahlenden Penélope Cruz und einem jungen Kameramann, einem früheren Mitglied der heimlichen Opposition gegen Franco, sind für den Zuschauer interessant und verleihen der Handlung Spannung.

Der Film, der in der Sektion Sonderveranstaltungen der Berlinale gezeigt wird und nicht am Wettbewerb teilnimmt, wurde bei seiner Vorstellung mit höflichem Applaus aufgenommen. La Reina de España ist eigentlich die Fortsetzung von La niña de tus ojos, einer der erfolgreichsten Komödien des zeitgenössischen spanischen Kinos. Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch. Fast so hoch wie der hochfliegende Filmtitel. Von der spektakulären Besetzung mit großen Schauspielern des spanischen Kinos wie Javier Cámara und Antonio Resines hätte man sich auch mehr erwartet.

Pablo López Barbero

Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert.

Copyright: Text: Goethe-Institut, Pablo López Barbero. Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

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