Lösungen abseits des Schreibtischs

Rita Süssmuth appellierte an die Teilnehmer, offen zu sein für Lösungen abseits des Schreibtischs – und einen unvoreingenommenen Blick zu bewahren.

Wie können wir den Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen begegnen? Haben wir wirklich neue Lösungsansätze für diese nicht ganz neuen Probleme? Das sind die Fragen, die Rita Süssmuth, Vorsitzende des deutschen Lenkungsausschusses des Deutsch-Niederländischen Forums, den Teilnehmern in ihrer Impulsrede an Tag 1 mit auf den Weg gibt.

Die frühere Bundestagspräsidentin, die unter anderem dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration sowie der UN-Weltkommission für Internationale Migration angehörte, zeichnet ein Szenario, das eine Auseinandersetzung mit den Themen Flucht and Asyl in Europa unausweichlich macht. Abwanderung und ein baldiges Ende des migratorischen Drucks seien illusorisch. Sie mahnt zur Besinnung auf europäische Werte und Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen.

Das Herzstück ihrer Rede bildet der Appell an die Kommunen, Austauschplattformen zu schaffen und Projekte anzuregen, die das europäische Zusammenleben fördern. Man merkt Süssmuth an, dass sie dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger in der Flüchtlingskrise große Anerkennung entgegenbringt. So findet sie – mit einem Seitenblick auf ihr junges Publikum –, dass auch der Universitätsprofessor ruhig einmal eine Prüfung verschieben könne, sollten seine Studierenden gerade in der ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen eingespannt sein.

Welche Regeln also sollen wir uns in Deutschland und den Niederlanden geben, um unseren Gesellschaften ein friedliches und produktives Miteinander zu ermöglichen? Zu hohe Erwartungen an die vier Workshops des diesjährigen Forums dämpft Süssmuth von vornherein: Eine Lösung für all die dringenden Fragen sei so schnell nicht zu erreichen. Dennoch, schon so manche Antwort sei auch abseits des Schreibtisches gefunden worden! Sich einen unvoreingenommenen Blick auf die Welt zu bewahren, scheint für Süssmuth hierfür eine gute Voraussetzung zu sein. So beendet sie ihre Impulsrede mit einer Anekdote über einen kleinen Jungen in Deutschland. Konfrontiert mit der Frage, ob es nicht sehr schwierig sei mit den vielen Ausländern in seinem Kindergarten, antwortete dieser perplex: „Wir haben keine Ausländer, wir haben nur Kinder.“

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