Sag, wie hältst du’s mit der Emotion?

Im Workshop zu den Herausforderungen der Integration stellten sich die Teilnehmenden der Gretchenfrage der Migrationsdebatte: Welche Rolle spielen Fakten und Emotionen wenn es darum geht, wie Deutschland und die Niederlande mit Neuankömmlingen umgehen?

Wie hat sich die Debatte um Migration und Integration in Deutschland und den Niederlanden in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt? Dieser Frage gingen der Historiker Hanco Jürgens und der Referatsleiter im Arbeitsstab der Bundesregierung für Migration Flüchtlinge und Integration, Ulrich Jahnke, in ihren Präsentationen nach: Während Jürgens dabei vor allem auf Unterschiede zwischen den Staaten einging, betonte Jahnke, dass diese Debatte in Deutschland eigentlich weder besonders überraschend noch besonders neu ist, zumal die Einwanderungstradition nach Deutschland sich über die „Gastarbeiter“ in den 1960ern bis hin zu den Spätaussiedlern der 1990er verfolgen lässt. Dabei betonten beide, wie die Politik der 1970er daran festhielt, dass die Neuankömmlinge Deutschland bald wieder verlassen würden, anstatt sich an tatsächlichen Integrationsmaßnahmen zu versuchen. Zwischen „Multikulti ist gescheitert“ (Merkel) und „Der Islam gehört zu Deutschland“ (Wulf) fragte Jürgens zudem, was eigentlich der Maßstab für gelungene Integration sei – was es bedeutet „deutsch“ oder „niederländisch“ zu sein.

Das derartige Fragen nach Identität, Ankommen und Identifikation keine einfachen Antworten kennen, wurde auch in der anschließenden Diskussion mit allen Teilnehmenden deutlich. Hier lag der Fokus im Plenum auf dem Charakter der öffentlichen Rezeption von Willkommenskultur und Integration: berichten deutsche Medien zu positiv oder zu negativ über Einwanderung?  Welchen Einfluss können Politiker überhaupt noch auf den Grundtenor einer Diskussion nehmen, in der Politik und Medien von einigen als „abgehobene Eliten“ und „Lügenpresse“ bezeichnet werden? Müssen Politiker stärker auf Stimmungen aus der Bevölkerung reagieren, oder gilt es, gerade in Zeiten des Wahlkampfes, eine neutrale, strikt faktenbasierte Position zu wahren?

Vereinfachte Antworten auf derart komplexe Fragen lieferte der Workshop glücklicherweise nicht. In einem sich ständig verändernden und entwickelnden Themenfeld wie Asyl und Migration, dessen Umsetzung die deutsche und die niederländische Gesellschaft noch auf Jahrzehnte prägen wird, geht es um eine vorsichtige Annäherung an mögliche Ansätze. Das wichtigste sei,  „Dinge nie unwidersprochen stehen zu lassen“, wie eine Journalistin einwarf. Ein anderer Teilnehmer schlug vor, Fakten verstärkt über emotional ansprechende Narrative zu kommunizieren: daran zu erinnern, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs jeder fünfte Deutsche einen Fluchthintergrund hatte, oder daran, dass „das niederländische Kolonialreich einer der größten muslimischen Staaten der Erde war“.  Wie Ulrich Jahnke feststellte: „Eine Gesellschaft, in der Integration gelingt, erkennt man daran, dass gestritten wird.“

Wie seht ihr die Rolle der (sozialen) Medien in der Debatte um Migration und Asyl? Diskutiert mit uns in den Kommentaren, welche Verantwortung Medien, Politik und Zivilgesellschaft haben, um die richtige Balance zwischen Fakten und Emotion herzustellen.

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