Hightech für alle

Über den Dächern Berlins mit Schlüsselpersonen der Digitalszene und auf ein Gespräch unter modernen Erfindern im „Fab Lab“ – internationale Start-up-Gründer, Blogger und Onlinejournalisten zu Gast in Deutschland.

Digital Society, Copyright: "Initiative Musik, Fotograf Markus Werner"

Digital Society, Copyright: „Initiative Musik, Fotograf Markus Werner“

Vincent Frederick Dancel lädt ein zu einem Gedankenspiel. „Was würden Eltern über Kinderbücher sagen, wenn Apps zuerst dagewesen wären, und nicht andersherum?“, fragt der junge Mann aus Manila und blinzelt in die Berliner Sonne. Die Antwort gibt er gleich selbst: „Sie fänden sie langweilig, unpraktisch, schwer.“ Hier oben, auf einem Balkon über den Dächern von Prenzlauer Berg, einem der angesagtesten Stadtteile Berlins, klingt das sehr überzeugend. Bei den Umstehenden trifft Dancel denn auch auf Zustimmung – kein Wunder: Wie der philippinische Start-up-Gründer, der spielerische Lern-Apps entwickelt, beschäftigen alle hier sich beruflich mit digitalen Medien. Im Rahmen des Besucherprogramms der Bundesrepublik Deutschland reisen sie eine Woche lang nach Berlin und Köln, um die Spielemesse Gamescom zu besuchen und sich mit deutschen Experten über neue Entwicklungen und die digitale Gesellschaft auszutauschen.

Internationale Digitalkonferenz re:publica

Digital Society, Copyright: "Initiative Musik, Fotograf Markus Werner"

Digital Society, Copyright: „Initiative Musik, Fotograf Markus Werner“

Der Balkon gehört zu einem sogenannten „Coworking Space“, einem Raum für die gemeinsame Arbeit an – häufig digitalen – Projekten, wie sie in Deutschland zunehmend entstehen. Drinnen haben sich zuvor einige Schlüsselpersonen der deutschen Digitalszene vorgestellt, darunter Markus Beckedahl vom Blog netzpolitik.org und Andreas Gebhard, Geschäftsführer und Mitgründer der Webkonferenz re:publica. Im Rahmen des jährlichen Treffens in Berlin gibt es auch ein „Global Innovation Gathering“ mit Vertretern von Technologie- und Innovationszentren weltweit. „Wir wollen sicherstellen, dass die re:publica eine internationale Veranstaltung ist“, so die Macher. Dieses Jahr kamen Gäste aus mehr als 60 Ländern. „Wir hoffen, 2017 auch einige von euch dort zu sehen!“

Digital Society, Copyright: "Initiative Musik, Fotograf Markus Werner"

Digital Society, Copyright: „Initiative Musik, Fotograf Markus Werner“

Shradha Sharma möchte bei der nächsten re:publica auf jeden Fall dabei sein. In ihrer Heimat Indien organisiert sie ein ähnliches Treffen – als Ableger ihrer erfolgreichen Medienplattform „YourStory.com“. Mehr als 20.000 Start-ups nutzen sie , um ihre Geschichten zu erzählen und Kontakte zu Partnern und Investoren zu knüpfen. Mit ihrem Business-Netzwerk gehört die frühere Journalistin Sharma laut dem Karriereportal LinkedIn zu den 500 wichtigsten „Influencern“ weltweit. Auch in Deutschland hofft sie auf wertvolle Kontakte und hat gleich mal ein Treffen mit Verlegern organisiert. Ob es irgendwann „YourStory Deutschland“ gibt? „Wir werden sehen“, sagt Sharma lächelnd.

Ideen und Programmiercodes teilen

Digital Society, Copyright: "Initiative Musik, Fotograf Markus Werner"

Digital Society, Copyright: „Initiative Musik, Fotograf Markus Werner“

Erfolgsgeschichten kann auch mancher erzählen, der im „Fab Lab Berlin“ seine Ideen umsetzt. Die moderne Entwicklungswerkstatt ist das nächste Ziel der Besuchergruppe, die hier kaum auffällt: lauter junges, internationales Publikum läuft zwischen den offenen Arbeitsbereichen hin und her, blickt gemeinsam auf Computerbildschirme und Konstruktionspläne. Die meisten der rund 800 Mitglieder des Fab Lab kommen hierher, um die hochwertigen Maschinen zu nutzen, die das Labor ihnen bietet: 3D-Drucker, Laserschneidegeräte und mehr. Sie kommen aber auch, um ihre Ideen gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln. „Wir glauben an Open Source“, sagt Daniel Heltzel vom Fab Lab, an das Öffentlichmachen von Programmiercodes also – auf dass Produkte und Anwendungen ständig weiterentwickelt und verbessert werden. Von einfachem digitalen Spielzeug bis zu aufwändigen Systemen für Kläranlagen ist im Fab Lab schon vieles entstanden.

Digital Society, Copyright: "Initiative Musik, Fotograf Markus Werner"

Digital Society, Copyright: „Initiative Musik, Fotograf Markus Werner“

Chukwuemeka Fred Agbata ist begeistert von diesem Ort. „Was kann ich tun, um in Nigeria ein Fab Lab zu eröffnen?“, will der Blogger, Moderator und Journalist wissen. „Such‘ dir Sponsoren – es gibt in der Wirtschaft eine große Offenheit für solche Ideen“, empfehlen die Verantwortlichen des Berliner Tüftlerzentrums. „Oder schließ‘ eine Partnerschaft mit einer Universität.“ Das Berliner Fab Lab selbst arbeitet eng mit dem Unternehmen Ottobock zusammen, das Prothesen und andere Produkte herstellt, die neue Mobilität ermöglichen. Ein Team aus Ingenieuren und Robotikexperten des Fab Lab bietet technische Beratung für Ottobock, aber auch für andere Unternehmen an. Dank der Einnahmen könne man die Nutzerbeiträge gering halten. Das Ziel: „Freier Zugang zu Technologie für alle“.

 

 

 

Mehr zum Besucherprogramm der Bundesrepublik Deutschland
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/AAmt/ZuGastimAA/Besucherprogramm-node.html

 

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5 Comments

on Hightech für alle.
  1. Vin
    |

    Germany rocks! Berlin is now one of my favorite cities in the world.

    It’s also amazing how the government supports startups and creatives. Wish all the governments in the world had the same passion.

    Danke Schön!

  2. Bill ("Prof")
    |

    The Visitors Programme is great! It provided me the opportunity to meet some great people and hear about some exciting and amazing work taking place in Germany both at the industry and academic levels. It is clear that Germany is serious about building their gaming industry and this presents some great opportunities.

  3. Vlad Borisevich
    |

    I’ve been to a lot of events and press-trips, but this one stands on its personal stand. I was highly impressed by your combination of “roof laws”, actual education and fueling people do what they want to do. Most insightful and warm trip because of such nice, fun and professional people in organisation and our team. I’ve made just one article ( https://tech.onliner.by/2016/08/20/gamescom-2 ), more to come on the next week.

  4. Chukwuemeka Fred Agbata
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    Enjoy my article in today’s Punch titled „How Germany is growing her gaming industry“ – trip http://punchng.com/germany-growing-gaming-industry/

    This is one of the lessons from my recent the German Federal Foreign Office Sponsored trip to various German cities.
    I believe with many cool strategies in place, the German gaming industry can only but grow bigger and Nigeria has a lot to learn from her, hence this article.

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