„Muito Romantico“: Berlin auf der Leinwand

22. Februar 2016
Muito Romântico | © Distruktur

 

Ein Umzug von Brasilien nach Deutschland und die ersten Jahre in Berlin sind das Thema von „Muito Romântico“, dem Spielfilm von Melissa Dullius und Gustavo Jahn, der in der Sektion Forum Expanded gezeigt wird.

 
Der Beginn des Films ist eher nostalgisch: eine Fahrt über den Atlantik von Brasilien nach Deutschland per Containerschiff, das Paar verbringt die Tage lesend, filmend und fotografierend. Der Übergang ist langsam. Die beiden Filmemacher arbeiteten fast zehn Jahre an diesem Projekt. Der Spielfilm vermischt Erinnerungen und wahre Begebenheiten mit Inszenierungen, was zu poetischen Bildern des neuen Lebens in Berlin führt. „Der Film ist entlang dreier Achsen ausgerichtet: die Erfahrung auf dem Schiff und die damit verbundenen Assoziationen von Bildern, die Inszenierungen im Zimmer und unser Archivmaterial“, erzählt Dullius.

 

Aneignung des Raums

 

„Selbst bei den Szenen, die einem Drehbuch folgen und inszeniert wurden, haben wir Kleidungsstücke benutzt, Objekte und Materialien, die wir schon besaßen“, sagt Jahn. Der Spielfilm zeigt Berlin aus einem romantischen Blickwinkel – eine spezielle Sichtweise der beiden Protagonisten. Auf die Enge des Zimmers folgt eine Sequenz von Bildern der Stadt – Bilder, die die Filmemacher bereits bei einer vorherigen Arbeit mit dem Titel Fotokino gezeigt hatten. Weitere Sequenzen zeigen Bilder, die die Darsteller selbst von Berlin machen, insbesondere von den immer zahlreicher werdenden Baustellen. Offensichtlich sind diese Bilder eine Form der Aneignung des Raumes durch die Protagonisten, eine Art und Weise, die Stadt, die immer in Bewegung und ständigem Wandel ist, zu assimilieren.

 

Mosaik der Gegenwart

 

Ein weiteres Projekt, das zur Sektion Forum Expanded gehört, ist Mina dos Vagalumes von Raphaël Grisey (Brasilien/Frankreich). Bei der aus drei Videos bestehenden Installation behandelt der Künstler Probleme, mit denen die Nachfahren einst entflohener schwarzer Sklaven (Quilombolas) konfrontiert sind, wie etwa Immobilienspekulationen mit ihren Ländereien in der Stadt sowie das Eindringen von Bergbauunternehmen in das Hinterland des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. In den Videos wechseln sich Berichte der Nachfahren von Sklaven mit Regierungstreffen und Bildern lokaler Landschaften ab. Auf diese Weise wird ein Mosaik geschaffen, das die Realität der Gemeinschaften rekonstruiert.

 

Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert.

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