Vom Wettkampf der Worte und tierischen Überraschungen

17. Oktober 2008

Nach den ganzen Partys und Empfängen der Verlage erwartet man am dritten Tag der Buchmesse in viele übermüdete Gesichter von Verlegern, Autoren, Lektoren und Buchagenten zu blicken. Doch wahrscheinlich gilt für viele die Parole „Durchhalten!“. Vielleicht zeigt sich bei dem einen oder anderen aber auch schon erste Erleichterung – die 60. Buchmesse geht in den Endspurt. Heute sind die Fachbesucher noch einmal unter sich.  Letzte Chance also auch für mich, einen etwas ruhigeren Abstecher zur Messe zu machen, bevor sie am Samstag und Sonntag zum Abschluss vermutlich einen großen öffentlichen Publikumsansturm erlebt.    

Viel los ist um die Mittagszeit im Lesezelt auf dem Freigelände der Messe. Normalerweise stellen Autoren hier ihre Neuerscheinungen vor, erzählen in Gesprächsrunden über ihre Bücher. Gerade aber verfolgt das Publikum im Lesezelt einen besonderen literarischen Wettkampf. Es ist die Stunde des Poetry Slam – Wortakrobatik, bei der selbst gedichtete Texte in einer bestimmten Zeit vorgetragen werden.  Mit wilder Gestik und Mimik brüllt einer der Teilnehmer regelrecht sein Liebesgedicht ins Mikrofon. Ein enttäuschter Liebhaber vielleicht? Deutlich feinfühliger ist da schon der nächste Poetry-Slam, der mit viel Witz den griechischen Sagenhelden Herakles an der neunköpfigen Hydra verzweifeln lässt. Das Publikum lacht und applaudiert. Von der Jury bekommt der Teilnehmer aus Berlin eine hohe Wertung.  

Auf meinem Weg ins Internationale Zentrum komme ich am Signierzelt vorbei – und traue meinen Augen nicht. Eigentlich sitzen hier mehr oder weniger bekannte Autoren und signieren ihre Bücher. Jetzt aber scheint die Buchmesse auf den Hund gekommen. Ein Mops namens Sir Henry bittet nebst Frauchen Uschi Ackermann, einer Society-Lady aus München, zur Autogrammstunde. Eigentlich haben Tiere auf der Buchmesse nichts verloren. Auch für Mops Sir Henry ging es lange um die Wurst, sein umstrittener Auftritt auf der Buchmesse sorgte für Schlagzeilen. Heute nun konnte Sir Henry seinen Buch „Hier schreibt der Mops“ endlich vorstellen. Die Mops-Welt atmet vermutlich auf, und ich frage mich, welche tierischen Ratgeber die Verlage im nächsten Jahr womöglich ins Signierzelt schleppen.   

Jetzt aber auf ins „Internationale Zentrum“, dort ist „Afrika Tag“ – und von wilden Tiere glücklicherweise keine Rede. Etwas mehr literarische Ernsthaftigkeit tut jetzt auch gut. Die Veranstaltungen des Zentrums in Halle 5 sind eine Kooperation der Buchmesse, des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amts. Den Auftakt des Schwerpunktes Afrika an diesem Freitag macht eine Diskussionsrunde mit den Autorinnen Virginia Phiri aus Simbabwe und Zoë Wicomb aus Südafrika sowie dem deutschen Autor und Afrikakenner Hans-Christoph Buch. „Literarische Blicke auf Afrika“ heißt die Veranstaltung.

Und dabei fällt mir ein, dass ich noch zwei Bücher empfehlen wollte, in denen das Ausland auf Deutschland blickt. Was sagt man eigentlich in Togo, Uganda, Italien, Schweden oder China über Deutschland und die Deutschen? „Piefkes, Krauts und andere Deutsche – Was die Welt von uns hält“ heißt das Buch, in dem die beiden Autoren Andrea und Martin Schöb dieser Frage nachgegangen sind. In ihrem unterhaltsam und informativ geschriebenen Text- und Bildband ergründen sie auf 192 Seiten, wie England zum deutschen Humor steht, was die Franzosen von der deutschen Küche halten, was die beliebtesten Mitbringsel sind oder welches Image deutsche Urlauber haben.  

Die deutschen Liebenswürdigkeiten und Macken hat sich auch Ben Donald vorgenommen. In seinem Reise-Lesebuch „Deutschland for Beginners“ beschreibt der Journalist mit einem Augenzwinkern unser Land. Und spart weder an schwarzem britischem Humor noch an deftigem deutschen Witz, wenn er sich mit der deutschen Philosophie des Nacktbadens vertraut macht, der deutschen Romantik in Heidelberg nachgeht oder sich auf dem Oktoberfest zum Weißwurst-Essen verführen lässt. „Das derzeit wohl euphorischste und witzigste Deutschland-Buch“, lautet das Fazit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Einer Empfehlung, der man wohl folgen kann. Viel Spaß bei der Lektüre der beiden Bücher!

One Comment

on Vom Wettkampf der Worte und tierischen Überraschungen.
  1. Jandel
    |

    ottos mops hopst 😉

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