Türkisch für Anfänger

14. Oktober 2008

Über einen Roman des türkischen Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk hätten wir Journalisten uns am Dienstag bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Buchmesse 2008 sicher sehr gefreut. Doch es kam anders. Das Gastland Türkei und die Buchmesse-Verantwortlichen dachten wohl weniger an literarisch-gehaltvollen Lesestoff als an ein praktisches Nachschlagewerk.

Jetzt liegt es im Büro vor mir auf dem Schreibtisch: 30.000 Stichwörter und Wendungen auf 448 Seiten zählt das kleine gelbe Universalwörterbuch Türkisch-Deutsch und Deutsch-Türkisch. Natürlich habe ich gleich nachgeschlagen, was Buchmesse heißt. Steht leider nicht drin. Wenigsten weiß ich dafür jetzt aber, dass Türken, wenn sie das Wort „kitap“ benutzen, ein Buch meinen.

Über Bücher und die Buchmesse, die in diesen Minuten mit viel Prominenz eröffnet wird, ging es heute morgen auch bei der Pressekonferenz im Kino der Buchmesse. Klar, wie zu erwarten gab es viele Journalisten, Kameraleute und Fotografen der internationalen Medien. Hinter mir saß ein Mann, der zuerst noch ständig telefonierte und Termine besprach, dann immer unruhiger wurde und gegen 11 Uhr genervt „Wann geht es endlich los?“ grummelte. Danach muss ihn irgendwann die Erschöpfung gepackt haben. Gegen Ende der Pressekonferenz jedenfalls war er auf seinem Stuhl eingenickt.

Was er von den Vorträgen der drei Herren in dunklen Anzügen auf dem Podium mitbekommen hat? Schwer zu sagen. Juergen Boos, der Direktor der Buchmesse, jedenfalls sagte, dass die Messe in ihrem 60. Jahr mit rund 7400 Ausstellern in etwa das Niveau des Rekordjahres 2007 gehalten habe und in diesem Jahr sogar zwei Prozent mehr Aussteller aus dem angelsächsischen Raum nach Frankfurt gekommen seien. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, ging auf die digitale Entwicklung des Buchmarktes ein und bezeichnete das E-Book als große Chance für die Branche.

Einer, der das elektronische Publizieren als Autor schon heute vielfach praktiziert, saß auch auf dem Podium. Paulo Coelho, der weltbekannte Schriftsteller aus Brasilien und Autor des Bestsellers „Der Alchimist“, veröffentlicht seit Anfang 2008 einmal im Monat einen seiner Titel online in ungekürzter Fassung. Coelho selbst ist übrigens der Meinung, dass das Papier igendwann durch digitale Medien verdrängt wird. Dem guten alten Buch gibt er aber noch ein paar Jahre – immerhin.

Wenn Verleger, Buchhändler und Schriftsteller die Zukunft des Buches jetzt schon einmal testen wollen, dann sind sie in diesen Tagen auf der Frankfurter Buchmesse am richtigen Ort. Der Elektronikkonzern Sony und der Internet-Buchhändler Amazon sind nur zwei von mehreren Unternehmen, die ihre E-Books in Frankfurt vorstellen.

P.S.: Paulo Coelho hat seine Buchmesse-Rede bereits in seinen Blog eingestellt:

http://paulocoelhoblog.com

Leave a Reply

Your feedback is valuable for us. Your email will not be published.

Please Wait...